Veröffenlichungen und Links

Delia Baumgarten

Von der Welt hat Weinfachfrau Delia Baumgarten einiges gesehen. Nach Schule und Lyzeum in Saarbrücken zog es die gebürtige Saarländerin ins ferne Lissabon, um Sprachen und Angelistik zu studieren.
Ganze 10 Jahre verbrachte sie in Portugal ehe sie wieder ins heimatliche Saarbrücken zurückkehrte. Mit abgeschlossenem Studium der Romanistik und Angelistik an der Universität Saarbrücken gerüstet, dazu viersprachig gebildet, begann sie 1979 aus ihrem Hobby den Beruf zu machen und ließ sich mit eigenem Weinhandel in Saarbrücken nieder. Vor allem Weinseminare rund ums Essen oder Themen wie Käse und Wein sind Ihre Leidenschaft, Klavierspiel, klassische Musik und Literatur ihre Hobbies geblieben.

Wie sind Sie zum Wein gekommen?
Über die Liebe zum Wein: Ab meinem 20. Lebensjahr habe ich systematisch Weinregionen bereist, Winzer besucht, vergleichend verkostet und auch Notizen gemacht.

Könnten Sie sich eine Tätigkeit ohne Wein vorstellen?
Kaum vorstellbar. Dennoch wäre ich gerne Pianistin oder Sängerin geworden.

In welcher Region würden sie am liebsten leben?
Ich lebe seit 1973 im Saarland und genieße die unmittelbare Nähe zu Frankreich.

Ihr Lieblingswein?
Da gäbe es einige: Zum Beispiel Bordeaux-Weine von großem"Terrior" und passionierten Kellermeistern vinifiziert.

Ihre Lieblingsrebsorte?
Riesling für die Weißweine und eine Assemblage aus mehreren Rebsorten à la Bordelaise für Rotweine.
Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie an Weißwein denken?
Zitrusfrüchte, Blumenduft, mineralische Noten. Frische Fruchtsäuren und ein eleganter Abgang.
Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie an Rotwein denken?

Rote Beeren und Früchte: Maulbeere, Johannisbeere,Kirsche. Violettes Rot, "Rondeur", Fruchtsüße im Abgang gepaart mit samtigen Tanninen.
Was ist ein guter Wein für Sie?

Ein Wein, der die eben genannten Elemente enthält und bei dem das Preis - Leistungs - Verhältnis stimmt.
Wann und mit wem trinken Sie am liebsten Wein?
Zum Essen im kleinen Kreis, am liebsten mit Menschen, mit denen ich mich über das Thema Wein unterhalten kann.
Was ist Ihre Empfehlung nach einer Weinprobe?
Gut essen und viel Wasser trinken.
Was haben Sie zuletzt für eine Flasche Wein bezahlt?
70,- DM für einen Riesling Vendage Tarvide aus dem Elsass.
Wieviele Stunden arbeiten Sie in der Woche?
Über 60 Stunden.
Wie sieht Ihr Idealer Urlaub aus?
In den Weinbergen Frankreichs Fahrrad fahren, gut essen gehen und Weine der Region trinken. Gespräche mit Winzern und Gastronomen sind informativ.
Was ärgert Sie?

Wenn ich von Kunden höre, daß sie fehlerhafte Weine gekauft haben- und das für viel Geld.
Was macht Sie glücklich?
Wenn nach einigen Jahren Kunden davon schwärmen, daß die von mir empfohlenen Weine
sich köstlich entwickelt haben.
Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Harmonien zwischen Käse, Gerichten und Weinen neu zu entdecken.

Weinwelt 1999:

 

Preisfrage: Wie lernt man die richtigen Weine für eine Wein-Import-Firma kennen? Antwort: Vor Ort, und man muß richtig lernen. Da gibt es einmal unendlich viel Fachliteratur in Deutschland und Frankreich, als theoretisches Basiswissen. Die Praxis lernt man von Weinen in Restaurants, vor Ort in ihren Anbaugebieten und vorallem aber von den Winzern selbst. Man begreift, wie Wein entsteht, wie er hergestellt wird, man erfährt die Unterschiede der Aromen. Und dann muß man natürlich auch reden können, um all diese Wein-Weisheiten weitergeben zu können, wenn der Weinimport dann läuft.
Delia Baumgarten hat all das hinter sich gebracht, sich reingekniet und Perfektionist wie sie ist, gebüffelt, bis sie alles wusste, was sie wissen sollte und wollte. Und reden kann sie - temperamentvoll und mit viel Charme, bis man denkt, sie könne sicher alles verkaufen. Sie überzeugt, weil sie weiß, wovon sie spricht, und damit hat sie es geschafft, in der vermeintlichen Männerdomäne Weinkennerschaft ernst genommen zu werden.
"Der Anfang war verdammt schwer", damals 1991, als sie von der Haldenvertretung zum Importgeschäft wechselte, und: "Was gehört beim Aufbau nicht alles dazu!" Neben unternehmerischem Geist, der Umgang mit Zahlen, Verhandlungen mit Banken, Personal einstellen - heute arbeiten sie zu dritt - vieles andere. Sie hat sich auf Frankreich spezialisiert und "praktisch aus dem Nichts" einen Kundenkreis aufgebaut. Hat geackert, oft bis spät in die Nacht, und heute kann sie stolz aus die Früchte der Plackerei aufzählen: neben vielen Privatkunden füllen Unternehmen und Händler, zwei große Handelshäuser in Deutschland, Romantik-Hotels und Restaurants bis zum Drei-Sterne-Laden in Düsseldorf ihre Kartei. Daß sie von Köln über Frankfurt und Stuttgart bis München diesen Erfolg hat, verdankt sie unter anderem so renommierten Zeitschriften wie "Feinschmecker" und "essen & trinken", die mehrfach Weine aus ihrem Sortiment vorgestellt haben. Sowas öffnet Türen, schneller noch als jede noch so gute Mundpropaganda.
Es wurde und es wird ihr nichts geschenkt, seit sie sich für den Weinhandel als Beruf entschieden hat. Auf den Geschmack gekommen war sie schon mit 18, "angestupst durch einen Bruder", der damals schon ausgewiesener Weinkenner war. Sie machte Weinproben mit, reiste viel, und noch heute ist sie an mindestens zwei Tagen der Woche unterwegs, um bei offiziellen Verkostungen auf Einladung von Unternehmen oder großen Hotels ihre Weine vorzustellen. Man kann sie sich dabei gut vorstellen: Elegant wie sie ist. Sicher im Auftreten, höflich bis zuvorkommend im Ton, redet sie sich manchmal in eine solche Begeisterung, dass ein witziger französischer Akzent durchkommt. Um nicht zu sagen, sie einem locker und sympathisch ein Loch in den Kopf reden. Aber das macht ja alles nichts, denn was sie sagt, hat Hand und Fuß. Manchmal veranstaltet sie auch mit ihrer Freundin Elisabeth Häffner, die den ersten und einzigen Versand von französischem Rohmilchkäse in Deutschland von Saarbrücken aus organisiert, Käse-und-Wein-Seminare - für beide "ein Stück Kultur".



Auszug aus der Veröffentlichung Saarbrücker Zeitung 09/1998: