Preisfrage:
Wie lernt man die richtigen Weine für eine Wein-Import-Firma
kennen? Antwort: Vor Ort, und man muß richtig lernen. Da gibt
es einmal unendlich viel Fachliteratur in Deutschland und Frankreich,
als theoretisches Basiswissen. Die Praxis lernt man von Weinen in
Restaurants, vor Ort in ihren Anbaugebieten und vorallem aber von
den Winzern selbst. Man begreift, wie Wein entsteht, wie er hergestellt
wird, man erfährt die Unterschiede der Aromen. Und dann muß
man natürlich auch reden können, um all diese Wein-Weisheiten
weitergeben zu können, wenn der Weinimport dann läuft.
Delia Baumgarten hat all das hinter sich gebracht, sich reingekniet
und Perfektionist wie sie ist, gebüffelt, bis sie alles wusste,
was sie wissen sollte und wollte. Und reden kann sie - temperamentvoll
und mit viel Charme, bis man denkt, sie könne sicher alles verkaufen.
Sie überzeugt, weil sie weiß, wovon sie spricht, und damit
hat sie es geschafft, in der vermeintlichen Männerdomäne
Weinkennerschaft ernst genommen zu werden.
"Der Anfang war verdammt schwer", damals 1991, als sie von
der Haldenvertretung zum Importgeschäft wechselte, und: "Was
gehört beim Aufbau nicht alles dazu!" Neben unternehmerischem
Geist, der Umgang mit Zahlen, Verhandlungen mit Banken, Personal einstellen
- heute arbeiten sie zu dritt - vieles andere. Sie hat sich auf Frankreich
spezialisiert und "praktisch aus dem Nichts" einen Kundenkreis
aufgebaut. Hat geackert, oft bis spät in die Nacht, und heute
kann sie stolz aus die Früchte der Plackerei aufzählen:
neben vielen Privatkunden füllen Unternehmen und Händler,
zwei große Handelshäuser in Deutschland, Romantik-Hotels
und Restaurants bis zum Drei-Sterne-Laden in Düsseldorf ihre
Kartei. Daß sie von Köln über Frankfurt und Stuttgart
bis München diesen Erfolg hat, verdankt sie unter anderem so
renommierten Zeitschriften wie "Feinschmecker" und "essen
& trinken", die mehrfach Weine aus ihrem Sortiment vorgestellt
haben. Sowas öffnet Türen, schneller noch als jede noch
so gute Mundpropaganda.
Es wurde und es wird ihr nichts geschenkt, seit sie sich für
den Weinhandel als Beruf entschieden hat. Auf den Geschmack gekommen
war sie schon mit 18, "angestupst durch einen Bruder", der
damals schon ausgewiesener Weinkenner war. Sie machte Weinproben mit,
reiste viel, und noch heute ist sie an mindestens zwei Tagen der Woche
unterwegs, um bei offiziellen Verkostungen auf Einladung von Unternehmen
oder großen Hotels ihre Weine vorzustellen. Man kann sie sich
dabei gut vorstellen: Elegant wie sie ist. Sicher im Auftreten, höflich
bis zuvorkommend im Ton, redet sie sich manchmal in eine solche Begeisterung,
dass ein witziger französischer Akzent durchkommt. Um nicht zu
sagen, sie einem locker und sympathisch ein Loch in den Kopf reden.
Aber das macht ja alles nichts, denn was sie sagt, hat Hand und Fuß.
Manchmal veranstaltet sie auch mit ihrer Freundin Elisabeth Häffner,
die den ersten und einzigen Versand von französischem Rohmilchkäse
in Deutschland von Saarbrücken aus organisiert, Käse-und-Wein-Seminare
- für beide "ein Stück Kultur".